THEMENDOSSIER

Mittelstandsmarketing

Mit angezogener Kostenbremse werben

Der Mittelstand kann selten aus üppigen Werbebudgets schöpfen. Er ist deshalb auf intelligente Marketing- und Mediastrategien angewiesen und braucht umso mehr Beratung.

Detlev Brechtel

Die große bunte Werbewelt betrachten kleinere, mittelständisch geprägte Unternehmen nicht selten aus der Zuschauerperspektive. Besonders in Sachen TV-Werbung können viele aus Budgetgründen einfach nicht mithalten: Hohe Produktions- und Schaltkosten für TV-Spots, womöglich gute Reichweite, jedoch starke Streuverluste – nicht nur für die meisten Budgets, sondern auch für die Mehrzahl der Produkte einfach keine gute Idee.

Doch der Mittelstand entdeckt TV-Werbung mehr und mehr für sich. Dies liegt nicht zuletzt an der steigenden Zahl attraktiver Zielgruppen- und Themen-Kanäle, die es nun ermöglichen, auch spitze Zielgruppen treffgenau anzusprechen. Etwa Wirtschaftssender wie n-tv oder N24. Sie gelten als Kanäle für Entscheider, sind aber dennoch so etwas wie die kleinen Töchter der großen Senderfamilien von RTL und ProSiebenSat.1. Die beiden sind in ihrem Segment mittlerweile fast schon allein auf weiter Flur: Einstige Konkurrenten wie CNBC Europe, Bloomberg TV oder CNN International haben ihre deutschen Ausgaben eingestellt. Die "Kleinen" machen für die KMUs (Kleine und Mittlere Unternehmen) durchaus Sinn: Hier sind Werbespots günstiger zu haben als bei den großen Muttersendern. "Wir haben dafür die richtigen Zuschauer, eher männlich und vielleicht nicht unbedingt an Waschmittelwerbung interessiert", sagt N24-Sprecherin Kristina Faßler. "Außerdem kann man bei uns Fernsehwerbung machen, die bezahlbar ist."

Dennoch lassen sich die Preise nicht einfach so durchdeklinieren. Es ist vielmehr das Gesamtpaket an Maßnahmen und Kosten, das sich ein Werbungtreibender vor Augen führen muss. Nicht zu vergessen sind wichtige Parameter wie Erscheinungsfrequenz, Umfeld oder sogar die Uhrzeit zu der ein TV-Spot schließlich gesendet wird. Und natürlich sind Preise im TV-Kosmos immer auch ein gutes Stück Verhandlungssache.
Nicht die Werbeform, sondern die beste Eignung zur Zielerreichung ist entscheidend für die Auswahl des Werbeträgers, sagt Roland Köster, Mitglied der Geschäftsleitung bei JOM Jäschke Operational Media, Hamburg. Doch könne eine besondere Werbeform eine Entscheidung pro oder kontra eines Mediums beeinflussen. Insbesondere dann, wenn diese Werbeform eine Sonderwerbeform, also etwas Auffallendes, etwas Besonderes sei. "Dann kann auch ein Medium, dessen absolute Kosten bei einem ausreichenden Werbedruck für kleine Unternehmen eigentlich kaum finanzierbar sind, durchaus interessant werden."

Geostrategische Optimierung hilft

Generell gilt: Clevere Werbestrategien sind keine Frage des Budgets. "Gerade Mittelständler brauchen jedoch fundierte Mediaberatung, um ihre Zielgruppen effizient zu erreichen", sagt Markus Biermann, Geschäftsführer der Media-Agentur Crossmedia, Düsseldorf. Besonders bei kleineren Werbeetats arbeitet die Agentur schon seit geraumer Zeit mit geostrategischer Optimierung der Kundenansprache. Auch macht Crossmedia keine Unterschiede zwischen großen und kleinen Kunden, versichert Kirsten Lübke, Unit-Direktorin und Mitglied der Geschäftsleitung. "Crossmedia ist selbst mittelständisch geprägt und inhabergeführt. Umsatzzielvorgaben, die einen kleineren Werbungtreibenden als B-Kunden einstufen und einem weniger erfahrenen Planer zuweisen würden, gibt es hier nicht."

Oft jedoch hätten Mittelstandskunden im Gegensatz zu großen Konzernen weder Zeit noch Ressourcen, sich selbst ausreichend Media-Know-how anzueignen. Crossmedia bemüht sich deshalb, kleinen Werbekunden Basiskenntnisse in Sachen Media zu vermitteln. "Das hilft dem Mittelständler, die Relevanz von Media für die eigenen strategischen Ziele erkennen zu können", sagt Lübke.


Zum vollständigen Artikel aus Heft 4/2010


Weitere media spectrum-Artikel zum Thema Mittelstandsmarketing:


Lokales TV behauptet sich in der Krise

Der lokale Mittelstand lässt sich nur sehr langsam als Werbekundschaft aktivieren, erst recht in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Soweit die landläufige Meinung. Aber die Realität überrascht. Denn spricht man mit Senderchefs von lokalen TV-Stationen, zeichnen die ein anderes Bild.

Werben im Local Village

Regionalmedien wie Tageszeitungen und Anzeigenblätter erzielen über ein Drittel des Nettowerbevolumens. Doch je mehr jüngere Chefs aufrücken, desto eher wendet sich auch der werbekonservative Mittelstand von klassischen Medien ab.

Rasterfahndung nach den Zielgruppen

Das Unwort des "Streuverlustes" ist in der Marketer-Fachsprache ein echter Dauerbrenner. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht zwischen Effizienzdebatten und Kampagnenaussteuerung über die Vermeidung des werblichen Super-GAUs philosophiert wird.

Daten und Fakten:

Studie: Große Defizite bei der Markenführung des Mittelstands





FACHARTIKEL ZUM THEMA
Alles Marketing – oder was?
Alles Marketing – oder was? 17.10.2011 - Konzerne haben große Budgets. Mittelständler nutzen eher Marketing-Nischen, um sich gegen die Großen zu positionieren - und entdecken allmählich Internet und Social Media. » mehr
"Der Weg ist richtig, aber noch weit." (17.10.2011)

Buchungstool für Mittelständler (14.09.2011)

mehr  MEHR ANZEIGEN
 
NACHRICHTEN ZUM THEMA
Nur jedes zehnte Unternehmen steigert durch Social Media das Ergebnis
Nur jedes zehnte Unternehmen steigert durch Social Media das Ergebnis 10.05.2012 - Social Media haben eine große Bedeutung für die Kommunikation von Marken, das ist unbestritten. Auch 70 Prozent der großen und mittleren deutschen Unternehmen sehen viel Potenzial. Aber: Nur zehn Prozent schaffen es derzeit, mithilfe der Sozialen Medien auch ihr... » mehr
Jedes zweite deutsche Unternehmen setzt soziale Medien ein (09.05.2012)

Deutsche Werbeartikelwirtschaft 2011 mit drei Prozent Wachstum (13.01.2012)

mehr  MEHR ANZEIGEN
 
 LOGIN für Abonnenten media spectrum
Benutzername
Passwort
 
NEWSLETTER
Der media spectrum newsletter informiert Sie jeden Mittwoch zu Studien aus Medien, Media und Marketing. Natürlich kostenlos.

Ihre E-Mail-Adresse:   
Buzz-Words des Monats
Engels Zunge: Engels Zunge:

In seiner neuen Kolumne stellt der erfahrene Agenturmarktforscher Dirk Engel in jeder media spectrum-Ausgabe neue Buzzwords aus der Marketing- und Medienwelt vor und sagt uns, was davon zu halten ist.
April/Mai 2012:
- Kidult
- Koma-Faktor
- Bacn
Leseprobe
Leseprobe media spectrum Leseprobe media spectrum

Jetz neu: Mehr Inhalt, mehr Nutzwert, mehr Service. Überzeugen Sie sich selbst
von Beiträgen mit Tiefgang aus Media und Marketing sowie Wissenschaft und Forschung. In der kostenlosen media-spectrum-Leseprobe erwarten Sie unter anderem ein hochkarätiger Experten-Roundtable zum Thema TV sowie Beiträge zu Onlinewerbung, Ad Specials Print und Neuroforschung. Jetzt in der kostenlosen media spectrum-Leseprobe blättern!
SOCIAL NETWORKS
Planungshandbuch Pharma
Planungshandbuch Pharma Planungshandbuch Pharma

Im Planungshandbuch Healthcare, Pharma & OTC finden Sie aktuelle Daten und Fakten zum Gesundheitsmarkt, Infos zu den einzelnen Mediengattungen und ihre Bedeutung für die OTC-Branche sowie ausführliche Artikel zum Thema Marktforschung in der Pharmabranche.
Special ma 2011-Zeitungen
Special ma 2011-Zeitungen Special ma 2011-Zeitungen

Media spectrum untersucht in Kooperation mit der Zeitungs Marketing Gesellschaft Reichweiten und Trends der Tages- und Wochenzeitungen. Mit umfassenden Planungsdaten.
Special Reise
Special Reise Special Reise

Trotz Krise und Furcht vor Inflation erzielte die Tourismusbranche 2011 ein neues Rekordergebnis. Das media spectrum Special Reise enthält Analysen, Fakten und
Planungsdaten zum Reisemarkt. Ein Special in Kooperation mit der ZMG.
Special Marktforschung
Special Marktforschung Special Marktforschung

Die Markforschungsbranche befindet sich im Wandel. Das Special Markt-forschung behandelt aktuelle Trends und Entwicklungen der Marktforschung. Kostenloser Auszug zum Download.
GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON
Gabler WirtschaftslexikonDas Wissen der Experten:
- Über 25.000 Stichwörter.
- Qualitätsgeprüft.
- Frei verfügbar.



Interview
Im Gespräch mit Christian Knies auf der Markenkonferenz B2B erklärt Dr. Karsten Kilian, Markenexperte von Markenlexikon.com, den Unterschied von Markendesign und Markenidentität.



Kooperationspartner:
http://www.media-TREFF.de
 
Home Bestellung Mediadaten AGB/Datenschutz Impressum Kontakt

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH