Zielgruppe Frauen
Frauen surfen immer mehr
Frauen nutzen Medien besonders eifrig. Im Internet holen sie die Männer langsam ein und bei Printmedien werden sie anspruchsvoller. Das stellt die Verlage vor neue Aufgaben.
Von Autor Guido Schneider
Aus Sicht der werbungtreibenden Wirtschaft haben Frauen zwei unschätzbare Vorzüge: Sie kaufen oft und meist auch gerne ein, und sie nutzen Medien ausgiebig. Damit sind sie für Werbebotschaftengut erreichbar. Eigentlich eine Traumzielgruppe, sollte man meinen. Doch das weibliche Geschlecht ändert seine Mediennutzungsgewohnheiten. Ein immer größerer Teil hat die Scheu vor neuen Medien wie dem Internet abgelegt. Laut der Studie "(N) Onliner"sind 2009 bereits 62,4 Prozent der Frauen ab 14 Jahren online, ein Jahr zuvor waren es erst 58,3 Prozent. Trotzdem sollten Marketer nicht blindlings auf das Internet vertrauen, wenn sie Frauen werblich ansprechen wollen. Denn noch immer tun sich vor allem ältere Damen ab 50 Jahren und solche mit niedriger Formalbildung eher schwer mit dem weltumspannenden Medium.
So sind etwa 56 Prozent der 60- bis 69-jährigen Frauen weiterhin offline. Auch unter den Onlinern selbst ist Frau nicht gleich Frau. So nutzen jüngere Frauen zwischen 16 und 24 Jahren das Web deutlich öfter zum Chatten und zum Besuch von Foren (72 Prozent) als Frauen zwischen 45 und 64 Jahren (17,3 Prozent), wie das Statistische Bundesamt in der Studie "Private Haushalte in der Informationsgesellschaft" festgestellt hat. Dagegen interessieren sich die älteren Frauen deutlich mehr für Gesundheitsthemen (63,9 Prozent) als die jungen (48,5 Prozent).
Frauen nutzen soziale Netzwerke mehr als Männer
Auftrieb erhalten offenbar auch die neuen Web 2.0-Anwendungen. Laut W3B-Studie engagieren sich weibliche Online-Nutzer (32,5 Prozent) sogar stärker in sozialen Netzwerken als die männlichen (28,7 Prozent),sie sind auch häufiger (15,8 Prozent) in Verkaufsbörsen anzutreffen als die Männer (15,3 Prozent). Die aber haben beim Microblogging-Star Twitter
(3,5 Prozent) knapp die Nase vor den weiblichen Surfern (2,8 Prozent). Der Trend zur interaktiven Online-Kommunikation kommt auch den vielen Frauennetzwerken entgegen, die ihre Zielgruppe im Netz mit einer Mischung aus Informationen und Communities zu typischen Frauenthemen wie Schönheit, Lifestyle, Gesundheit und
Psychologie bei Laune halten. In Deutschland stecken die meisten dieser Portale noch in den Kinderschuhen, nicht so jedoch der Marktführer
gofeminin.de Seit 2001 betreibt Axel Springer das Angebot für den deutschen Markt und meldete laut "Internet Facts" zuletzt bereits 1,33 Millionen Frauen als Unique User, mehr als fem.com (1,01 weibliche Unique User), brigitte.de (580.000), frauenzimmer.de (290.000) oder erdbeerlounge.de (200.000). Springer versteht sein Online-Frauenportal als Ergänzung zu seinen Frauenzeitschriften, die allesamt auch mit eigenen Auftritten im Netz vertreten sind. Kannibalisierungseffekte mit den Printausgaben von Bild der Frau oder Frau von heute sieht der Verlag nicht, im Gegenteil: Hier und da arbeiten Online- und Offline-Marken sogar zusammen. Die Schnittmenge ist aber klein, weil goFeminin und die Frauenmagazine unterschiedliche Zielgruppen bedienen.
Während sich das Online-Portal auf jüngere Frauen zwischen 20 und 40 konzentriert, suchen die verbliebenen Frauenzeitschriften des Konzerns ihre Leserinnen im 50plus-Segment. Aufs Nebeneinander von Online und Print verweist auch Manuela Kampp-Wirtz. Für die Publisherin der Condé Nast-Frauenzeitschriften Glamour und Myself sind Online-Angebote für Frauen keine direkte Konkurrenz zu den gedruckten Magazinen. Die Webauftritte der eigenen Blätter versteht sie ebenfalls als Ergänzung, nicht aber als Ersatz fürs Gedruckte. Ähnlich denkt offenbar auch die Bauer Media Group, die im Juli mit Wunderweib ein Frauenportal freigeschaltet hat, das die Webauftritte von insgesamt 30 Titeln der Verlagsgruppe umfasst, darunter tina, Maxi oder Intouch.
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Daten und Fakten:
Quelle: Comscore