Reise und Tourismus
Fernweh lässt die Kassen klingeln
Der Reisemarkt hat sich erholt. Das schlägt sich auch in den
Verkaufsauflagen der Reisezeitschriften nieder.
Von Autor Olaf Schlippe Wandern ist nicht länger nur des Müller's Lust. Mehr als die
Hälfte aller Deutschen (56 Prozent) sind aktive Wanderer, Tendenz leicht steigend
- so die erste, jüngst vorgestellte nationale Grundlagenstudie des Deutschen
Wanderverbands in Zusammenarbeit mit dem Bundeswirtschaftsministerium.
Als Wanderer gilt, wer während eines halben Tages etwa eine Strecke
von 13 Kilometern zurücklegt. Bis 2060 sollen gar 61 Prozent der Deutschen zu
allen Jahreszeiten entlang der Küsten und Gipfel unterwegs sein. Das freut die
Wirtschaft. Schon heute sind etwa 144.000 Arbeitsplätze mit dem Wandertourismus
verbunden, werden für Ausrüstung, Vorbereitung und Verpflegung
mehr als elf Milliarden Euro pro Jahr ausgegeben. Geschätzte 7,5 Milliarden
Euro davon verbleiben in den durchschrittenen Regionen.
Auch andere Studien bestätigen diesen Trend. So steht im Urlaub die Erkundung
der Umgebung zu Fuß bei gut einem Drittel der Deutschen (35 Prozent) auf der
Beliebtheitsskala ganz oben, zeigt die 26. Tourismusanalyse der BAT Stiftung für
Zukunftsfragen. Neben Wandern schwingt sich jeder fünfte Urlauber in den
Ferien zudem gern auf das Fahrrad. Und das nicht nur in Deutschland.
Spanien, Türkei und Italien in Europa am beliebtesten
Jeder Dritte strebt 2010 eine Reise ins europäische Ausland an, jeder Zehnte beabsichtigt
einen Trip über Europa hinaus. In Europa bleibt Spanien weiter die Nummer
eins auf der Reisewunschliste (9,2 Prozent), gefolgt von der Türkei (4,8 Prozent)
und Italien (4,0 Prozent). Die Türkei hat an Beliebtheit gewonnen und könnte Italien
dieses Jahr erstmalig überholen. Im vergangenen Jahr weilte fast jeder achte
Bundesbürger in Spanien (13,2 Prozent), danach in Italien (6,9 Prozent), der Türkei
(6,6 Prozent), in Österreich (4,1 Prozent) und Griechenland (3,3 Prozent).
Setzen die Deutschen ihre Absichten um, dürfte 2010 vor allem die Zahl der Fernreisen
steigen. Zumindest die Planung selbiger nahm um fast 18 Prozent gegenüber
2009 zu. Hingegen stagnieren die Absichten für einen Urlaub in Europa, wünschen
zehn Prozent weniger ihre Ferien in Deutschland zu verbringen, so der „ADACReisemonitor
2010“, dessen Ergebnisse allerdings nicht repräsentativ die Gesamtbevölkerung
abbilden, sondern nur die 16,5 Millionen ADAC-Mitglieder. Noch 2009 verbrachten laut Tourismusanalyse
37 Prozent der Deutschen ihren Urlaub vor allem nahe der eigenen Naturschönheiten.
Beliebteste Bundesländer waren Bayern (8,1 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern
(6,8 Prozent), Schleswig-Holstein (5,6 Prozent), Niedersachsen (4,3 Prozent) und
Baden-Württemberg (3,7 Prozent).
Weltweit wieder mehr Reisen
Ungeachtet interner Verschiebungen kann die Reisebranche jedoch verhalten optimistisch
auf das Jahr 2010 blicken. Einerseits, weil sich schon 2009 wider aller Befürchtungen
auf Grund der Wirtschaftskrise nichts veränderte: Jeder zweite Deutsche
verreiste fünf Tage oder länger, im Durchschnitt 13 Tage. Dabei wurden rund 1.038
Euro pro Person ausgegeben, was etwa dem Stand von 2004 entspricht. Andererseits,
weil laut ADAC-Reisemonitor 65,3 Prozent der Deutschen mindestens eine
längere Urlaubsreise planen - ein leicht über dem Vorjahr liegender Wert. Zwar
schloss das Reisejahr 2009 bei 52 Milliarden Euro Gesamtumsatz mit einem Minus
von 6,2 Prozent ab, insbesondere auf Grund einer starken Abnahme bei Fernreisen,
doch sollen diese ja - so die Planungen - 2010 wieder deutlich zunehmen.
Dass diese Einschätzung berechtigt ist, zeigen die Zahlen der Welttourismus-Organisation
UNWTO: Weltweit wird wieder mehr gereist. In den ersten sechs Monaten 2010 stiegen die internationalen Ankünfte um sieben Prozent gegenüber dem schwachen Vorjahr 2009 auf rund 420
Millionen. 2009 waren es insgesamt circa 880 Millionen Ankünfte, die einen Umsatz
von rund 611 Billionen Euro generierten.
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